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Reisetagebuch

Während meiner Südamerikareise 2002 habe ich regelmässig Berichte nach Hause geschickt und auf dieser Seite veröffentlicht. Die Berichte erheben weder Anspruch auf politische Korrektheit noch Objektivität. Sie sollen einfach wiederspiegeln, was ich erlebt und dabei empfunden habe.
Ich habe ebenfalls ein paar Daten zusammengetragen und eine kleine Reisestatistik erstellt.

Aus den überarbeiten Berichten ist ein bebildertes Buch geworden. Wer gerne ein Exemplar möchte, soll sich bei mir melden. Das Buch ist aber auch online erhältlich: [PDF] (6MB download)

Die original-Berichte sind immer noch online:
20.2.2002 - Zu Hause
6.3.2002 - Puerto Montt
15.3.2002 - Osorno, Chile
22.3.2002 - Temuco, Chile
29.3.2002 - La Serena, Chile
4.4.2002 - La Serena, Chile
10.4.2002 - Iquique, Chile
So ging ich also zum Busterminal in La Serena und es verschlug mich nach Copiapó, wo ich eine üble Absteige erwischte. Meine Aufregung war gross genug, dass ich meinen Gemüseteller am Abend vergass zu salzen, was ihn nicht etwa zum Genuss machte, merkte es aber erst, als er schon fast gegessen war. Darauf suchte ich ein Pub, um mich abzulenken. Ich hörte Livemusik und ging hinein. Eine Lokalband mit Pink-Floyd Covern übte und ich war der einzige Gast. Obwohl die Band in Qualität einer Schülerband nicht weit überlegen war, trank ich zwei Bier und hörte den Jungs zu, wie sie mit üblem Akzent ihre Stimmen quälten. Dieser Lärm, der durchaus Herz hatte, war genau das, was ich jetzt brauchte.
Tags darauf las ich ein wenig im Park, der Plaza de Armas, die's in jeder Stadt gibt und musste etwa 3 Zigeunerinnen verscheuchen. Ein paar Kinder kamen auf einem flotten BMX, in durchaus vernünftiger Kleidung daher um zu betteln. Das ist sicher nicht die Art von Armut, bei welcher ich Kleingeld zücke.
Nachdem ich auf einem nahegelegenen Hügel etwas Ruhe genoss, wurde ich in die Realität des weisshäutigen Touristen geschleudert, der sich in einer Stadt bewegt, die nicht viele Touristen anzieht. Angefangen hat es mit einem hübschen Teeniegirl, das mir nach kurzer Anmache (ihrerseits) sofort ihre Liebe gestand. Von jedem Rudel Männern gabs ein "hola gringo" mit nachfolgendem, schallendem Gelächter zu hören und eine etwa vierzigjährige, gestylte Dame sprang mir aus dem Kaufhaus mit einem "hola grrringooo" in recht geilem Tonfall entgegen. Bin ich denn Brad Pitt, verdammt nochmal? So muss es als Star sein, wenn einem alle auf der Strasse kennen, nur dass bei mir die Hautfarbe schon reicht. Wenn ich es auch irgendwie lustig fand, so stösst mich dieses Verhalten doch sehr ab.
Nach einer üblen Pizza verliess ich Copiapó ohne Reue in Richtung San Pedro de Atacama. San Pedro sieht recht anders aus, als man es sich von Chile gewohnt ist. Es hat viele Lehmhütten mit sehr stilvollem Interieur und die höchste Dichte an Touriagenturen weltweit.
Am ersten Morgen ging ich, nachdem ich mich aus der abgeschlossenen Unterkunft befreit hatte, um 4:00 auf eine Tour zu den Geysiren von Tatio, 4230müM. In dieser Höhe kostet jeder grössere Schritt viel Atem. Die versprochenen 5m-Geysire liessen sich an diesem Morgen nicht zu mehr als 50cm überreden, aber trotzdem war es ein eindrückliches Erlebnis, den Boden kochen und dampfen zu sehen. Nach einem Bad in einem natürlichen Pool, in welchem die Temperatur dauernd zwischen etwa 25Grad und süttigheiss wechselte, gings dann zurück.
Nach einer Siesta mietete ich ein Bike und fuhr ins 12km entfernte "Valle de la luna". Ich bin so froh, habe ich das nicht mit einer Tour gemacht. So konnte ich anhalten oder gehen, wohin es mir gefiel und die Wüste ganz für mich allein geniessen. Diese Einsamkeit in der Natur geniesse ich hier sehr - mehr als die Einsamkeit unter Leuten, mit denen du nicht wirklich sprechen willst.
Nach dem Sonnenuntergang wurde es sehr schnell dunkel und ich musste den Heimweg auf der Holperstrasse erahnen. Die Fahrt durchs Dunkel war wieder ein schönes Erlebnis, wenn ich auch von einem Hund erschreckt wurde, der plötzlich aus dem Nichts der Wüste auftauchte und mir folgte.
Die Atacama hat mich mit ihren vielen Farben und abwechslungsreichen, bizarren Formen sehr beeindruckt.
Am nächsten Tag genoss ich dafür mit zwei Amis das Grün einer nahegelegenen Oase. Am Abend war ich mit einem Lokalen verabredet, um etwas spanisch zu lernen. Er seinerseits wollte für eine bevorstehende Reise englisch üben. Wir hatten einigen Spass, beide zuweilen recht unbeholfen, und beim Plaudern stellte ich fest, dass ich mit meinem Spanisch doch schon ein bisschen was anfangen kann.
Am Dienstag zog ich mich endlich wiedermal zurück, um Quena zu üben.
Die Busfahrt nach Iquique war übel. Einmalmehr wurde ich im Bus mit TV belästigt. Schlimmer war, dass meine allzeit verstopfte Nase den Druckausgleich sehr erschwehrte und ich fühlte jeden der über 2000 Höhenmeter als Schmerz im Ohr.
Hier in Iquique leiste ich mir wiedermal ein Hotel mit baño privado und Kabelfernsehen. Kostenpunkt CHF 12.50.

19.4.2002 - La Paz, Bolivia
29.4.2002 - Sucre, Bolivia
6.5.2002 - Sucre, Bolivia
20.5.2002 - Santa Cruz, Bolivia
29.5.2002 - La Paz, Bolivia
14.6.2002 - Copacabana, Bolivia
18.6.2002 - Puno, Peru
25.6.2002 - Cusco, Peru
6.7.2002 - Pisco, Peru
20.7.2002 - Huaraz, Peru
4.8.2002 - Iquitos, Peru
19.8.2002 - Salvador, Brasil
4.9.2002 - Vitoria, Brasil
15.9.2002 - Rio de Janeiro, Brasil
29.9.2002 - Bonito, Brasil
13.10.2002 - Buenos Aires, Argentina
28.10.2002 - zu Hause
[Sourcecode des Reisebericht-Projektes (Mailinglist,MySQL)]


last update: 09. May 17

Author: Alain Brenzikofer